Redebeitrag des Antifaschistischen Berliner Bündnisses gegen den Al Quds-Tag zur Hamas:

Als im vergangenen Jahr mehrere hundert Menschen im Rahmen des Al Quds-Tags über den Kurfürstendamm zogen, um für die Vernichtung Israels zu demonstrieren, waren auch Fahnen der sunnitisch-islamistischen Hamas zu sehen. Die Hamas, die 1987 als palästinensischer Zweig der Muslimbrüderschaft gegründet wurde und heute den Gazastreifen kontrolliert, macht aus ihrem Antisemitismus keinen Hehl und ruft in ihrer Charta offen zum Mord an Jüdinnen und Juden auf. In besagter Charta lassen sich zahlreiche antisemitische Stereotype finden wie etwa das Gerede von der jüdischen Weltverschwörung und die Leugnung der Shoa. Israel selbst werde, so heißt es, „existieren, bis der Islam es ausgelöscht hat“. Die Einsicht, dass mit solchen Leuten kein Frieden zu machen ist, bedarf eigentlich keiner großen geistigen Anstrengung. Nichtsdestotrotz werden immer wieder Forderungen laut, Israel solle sich doch mit der Hamas an den Verhandlungstisch setzen, also mit Leuten, die offen aufs antisemitische Pogrom hinarbeiten.

Wie illusorisch die Hoffnung ist, die Hamas könnte jemals einen jüdischen Staat in „Palästina“ akzeptieren, beweist unter anderem das Jahr 2005. Damals veranlasste die israelische Regierung einseitig die Räumung aller Israelis aus dem Gazastreifen. Bestärkt durch das Gefühl, einen wichtigen Sieg errungen zu haben, intensivierte die Hamas in der Folgezeit ihre Raketenangriffe auf Israel um bis zu 500%. Israel könnte sich bis auf den Strand von Tel Aviv zurückziehen, ohne dass die Hamas ihre Angriffe einstellen würde. Kein Israel, nirgends – das ist das erklärte Ziel der Hamas, an dem es keinen Zweifel gibt und das jede Verhandlung mit der Hamas über die Zukunft der Region und insbesondere Israels unmöglich macht.
Im Kampf für die Vernichtung Israels steht die Hamas dabei nicht allein. Einerseits stehen ihr einige palästinensische Organisationen in Sachen antisemitischen Vernichtungswillen in nichts nach und andererseits hält sie enge Kontakte zum iranischen Regime und zur Hisbollah im Libanon. So prahlte der iranische Parlamentspräsident Laridschani im Jahr 2012 offen mit Waffenlieferungen des Irans an die Hamas. Auch der Generalsekretär der Hisbollah, Hassan Nasrallah, versicherte der Hamas im Kampf gegen Israel seine Solidarität.
Jedoch hat dieses Bündnis gerade in der letzten Zeit auch Risse bekommen. Während der Iran und die Hisbollah, die beide der shiitischen Strömung des Islam angehören, im Syrien-Konflikt Machthaber Assad unterstützen, hat die sunnitische Hamas Sympathien für regressive Teile der Opposition, beispielsweise für Al Qaida-Kämpfer.

Zudem haben die jüngsten Entwicklungen in Ägypten, wo die Muslimbruderschaft unter Präsident Mursi vom Militär abgesetzt wurde, zu einer Schwächung der Hamas geführt. Wie genau die Ereignisse in Syrien und Ägypten sich auf das Bündnis von Hamas, Hisbollah und dem iranischen Regime auswirken werden, bleibt abzuwarten. Dass es sich gänzlich auflöst, dürfte jedoch sehr unwahrscheinlich sein. Der ungebrochene Hass auf Israel eint die Bündnispartner wie eh und je und vermutlich werden auch in diesem Jahr beim Berliner Al Quds-Tags-Aufmarsch Anhängerinnen und Anhänger von Hamas und Hisbollah Seite an Seite die Vernichtung Israels fordern.

Anstatt die Hamas als Verhandlungspartner zu akzeptieren, ginge es in Anbetracht ihrer Ideologie und Praxis darum, auf ihre Auflösung hinzuwirken. Nicht nur im Interesse der Jüdinnen und Juden, denen der antisemitische Vernichtungswunsch gilt, sondern auch im Interesse der emanzipatorischen Kräfte, die im Gaza-Streifen dem inneren Terror der Hamas ausgesetzt sind.

In diesem Sinne:
Stoppt den Terror der Hamas! Solidarität mit den emanzipatorischen Kräften im Gazastreifen! Solidarität mit Israel!