Archiv für Juli 2012

ANTISEMITISMUS, DER AL QUDS-TAG UND DIE JÜDISCHE MINISEKTE „NETUREI KARTA“


„Neturei Karta“ beim Al Quds-Marsch 2011 in Berlin

Für den antisemitischen Aufmarsch zum Al Quds-Tag in Berlin lassen die Organisatoren jedes Jahr auch aus Großbritannien eine Hand voll Mitglieder der jüdischen Minisekte Neturei Karta einfliegen. Sie erfüllen eine Art Alibifunktion: Es soll gezeigt werden, dass selbst Juden die Ziele des Al Quds-Tages unterstützen. Eine Distanzierung von Antisemitismus ist das jedoch nicht. Stattdessen wird Neturei Karta für rein taktische Überlegungen genutzt: Zum einen wird versucht, strafrechtlich relevante antisemtitische Äußerung abzuschwächen, um einem versammlungsrechtlichem Verbot des Aufmarsches aus dem Weg zu gehen. Zum anderen behaupten die Veranstalter, dass Antisemitismus auch gegen sie gerichtet sei und auf ihrer Demonstration nicht existiere.

Die Einbindung von Mitgliedern der Neturei Karta zeigt die reduktionistische Auffassung von Antisemitismus, die die Organisatoren des Al Quds-Marsches haben. Antisemitismus wird auf Judenfeindschaft reduziert, blendet jedoch andere Erscheinungsformen wie etwa die Verharmlosung oder Leugnung der Shoa oder das Abstreiten von Israels Existenzrecht aus. Und selbst dieser reduktionistischen Defintion von Antisemitismus wird die Minisekte Neturei Karta nicht gerecht: Die bekanntesten Aktivitäten von Neturei Karta in den letzten Wochen waren das Bespucken von achtjährigen jüdischen Mädchen und das gewaltsame Attackieren von jungen jüdischen Frauen im Jerusalemer Stadtteil Bet Shemesh, weil diese angeblich “unzüchtig“ gekleidet waren.

Weltweit für Entsetzen sorgte die Schändung der nationalen israelischen Shoa-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Dort sprühten Aktivisten von Neturei Karta antisemitische Parolen: So dankten sie beispielsweise Adolf Hitler für die Vernichtung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden. Vor diesem Hintergrund klingt es nicht mehr überraschend, dass Mitglieder der Neturei Karta willkommene Gäste auf dem Al Quds-Marsch sind und in der ersten Reihe mitmarschieren.

AUFRUFE UND PLAKATE GEDRUCKT

Plakate und Aufrufe, für die diesjährigen Proteste gegen den Marsch am Al Quds-Tag, sind fertig gedruckt. Ein Vorgeschmack, wie die Materialien aussehen, bekommt ihr unter der Rubrik Material.

Solltet ihr Interesse an Mobistuff für eure Stadt haben haben, schreibt uns eine Mail. Bitte gebt ungefähr an wie viel ihr benötigt und eine Adresse, wo wir das alles hinschicken sollen.

Im Vorfeld der Proteste laden wir auch noch zu verschiedenen Veranstaltung ein. Geplant ist u. a. ein Filmabend und eine Podiumsveranstaltung. Mehr erfahrt ihr in den nächsten Tagen. Des weiteren gibt es auch einen FacebookEvent den ihr hier findet.

KEIN AL QUDS-TAG 2012 IN BERLIN!

Aufruf gegen den „Al Quds“-Marsch – Gemeinsam gegen Antisemitismus!

Am 18. August 2012 findet in Berlin der größte islamistische Aufmarsch Deutschlands statt – Anlass ist der sogenannte „Al Quds“-Tag – Quds ist der arabische Name für Jerusalem. Dieser wurde 1979 vom iranischen „Revolutionsführer“ Ayatollah Chomeini eingeführt, um propagandistisch die Eroberung Jerusalems und die Vernichtung Israels vorzubereiten. Seit 1996 demonstrieren Anhänger*innen des iranischen Regimes auch in Berlin.

An der militärischen Umsetzung dieses antisemitischen Unternehmens wird indes in Teheran fleißig gearbeitet: Das iranische Atomwaffenprogramm ist eine existenzielle Bedrohung für Israel, deren Bewohner*innen sich mit dem Wissen um Auschwitz geschworen haben, nie wieder wehrlos antisemitischen Vernichtungswahn gegenüber zu stehen. Daher werden in Israel die Ankündigungen aus Teheran, den jüdischen Staat von der Karte zu streichen, äußerst ernst genommen. Die Bedrohung des Regimes richtet sich nicht nur nach außen, sondern auch gegen „innere Feinde“. Die Oppositionellen innerhalb des Irans sind von staatlicher Repression betroffen. Beispielsweise werden Linke, Gewerkschaftler*innen, Feminist*innen, Queers und religiöse Minderheiten im Iran verdächtigt für ausländische Mächte – insbesondere für Israel – tätig zu sein, wenn sie Widerstand gegen das iranische Regime leisten.

Von Repression bedroht sind aber nicht nur politische Aktivist*innen. Das iranische Regime schränkt auch alltäglich die individuelle Selbstentfaltung ein. Dies zeigt sich vor allem in Fragen der geschlechtlichen Rollenerwartungen. Unter Berufung auf das islamische Recht – die Scharia – werden Steinigungen von Frauen oder die öffentliche Hinrichtungen von Homosexuellen legitimiert. Homosexualität wird wahnhaft als jüdisch-westliches Instrument zur angeblichen Zersetzung der iranischen Gesellschaft gedeutet.

Doch die Luft wird für das iranische Regime immer dünner, wie die landesweiten Proteste im Sommer 2009 gezeigt haben. Nur äußerst blutig konnten die Demonstrationen gegen das Regime niedergeschlagen werden. Noch drastischer ist derzeit die Situation in Syrien, wo Irans Verbündeter Präsident Bashar al-Assad sogar das Militär einsetzt, um die Aufstände im Land niederzuschlagen. Obwohl sich Assad nicht wie die iranischen Herrscher theokratisch durch einen angeblichen Willen Gottes legitimiert, sondern sich auf eine säkular-nationalistische Ideologie zur Herrschaftssicherung stützt, sind das iranische und syrische Regime doch engste Verbündete im Kampf gegen den Westen und Israel. Assad und sein Herrschaftsclique wissen die mediale Fokussierung auf Israel anlässlich des „Al Quds“-Tages als angeblichen Aggressor im Nahen Osten zu nutzen: Schon im vergangenen Jahr organisierte das syrische Regime antiisraelische Demonstrationen an der israelisch-syrischen Grenze, um vom eigenen Krieg gegen die eigene Bevölkerung abzulenken. Dabei sind es das iranische und das syrische Regime – nicht Israel – die einem Aufbruch emanzipatorischer Kräfte im Nahen und Mittleren Osten entgegenstehen.

Die Unterstützer*innen dieser Regime wollen am 18. August in Berlin auf die Straße gehen, um die Vernichtung Israels zu propagieren. Das werden wir nicht zulassen. Wir werden an diesem Tag unseren Protest gegen Antisemitismus, Islamismus, Sexismus und Homophobie auf die Straße tragen und uns diesem regressiven Aufmarsch in den Weg stellen.

Deshalb fordern wir:
Nieder mit den Regimen in Iran und Syrien!
Solidarität mit den emanzipatorischen Kämpfen vor Ort!
Solidarität mit Israel!
Kein „Al Quds“-Aufmarsch am 18. August in Berlin und anderswo!

Antifaschistische Kundgebung:
18. August 2012 | 13:00 Uhr | Adenauerplatz
(Brandenburgische Straße/Kurfürstendamm, Berlin, U7)

KEIN AL QUDS-TAG 2012

Auch in diesem Jahr wird das »Antifaschistische Berliner Bündnis gegen den Al Quds-Tag« wieder verschiedene Veranstaltungen und Aktionen organisieren und durchführen. Dieses Jahr wird der Marsch zum Al Quds-Tag schon am 18. August 2012 statt finden. Die Vorbereitungen dagegen laufen und in den nächsten Wochen erfahrt ihr mehr hier auf unserem Blog. Also seid gespannt!

Auch in Wien regt sich Widerstand gegen den dortigen Marsch zum Al Quds-Tag. Mehr erfahrt ihr hier.